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Rudi Merod, Bad Tölz
DBT-A als Behandlungsmethode bei Jugendlichen mit einer Borderline-Störung bietet eine gute Möglichkeit sich des Themas „Zeitgeist“ anzunehmen. Einerseits widerspricht es dem noch gültigen Zeitgeist, da hiermit die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung bei Jugendlichen „festgeschrieben wird“ obwohl dies gerade bei Praktikern immer noch sehr umstritten ist. Sie entspricht dem Zeitgeist in der Forschung, die die Stabilität der PS bei Jugendlichen belegt und eine entsprechende störungsspezifische Behandlung nahe legt.
Sie entspricht dem Zeitgeist insofern, als sie eine (Jahrtausende alte) Technik, die gerade en vogue ist, in die Behandlung integriert und gleichzeitig ein Beleg darstellt, dass die „alten“ als konservativ geltenden verhaltenstherapeutischen Standardmethoden unabdingbar sind.
Von daher erscheint sie geeignet, sich auch mit dem Thema „Zeitgeist“ kritisch und gleichzeitig konstruktiv auseinander zu setzen.
Literatur:
Freeman, A. & Reinecke, M, 2007 Personality Disorders in Childhood and Adolescence, NV: Wiley & Sons
Merod, R. (Hrsg.) 2009 Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen Tübingen:dgvt Verlag
Merod, R. (in Druck) Behandlung von Borderline-Störungen bei Jugendlichen -
DBT-A, Beltz
Miller, A. , Rathus, J. & Linehan, M. 2007, Dialectic Behavioral Therapy with Suicidal Adolescents, NY
Beatrix Pfleiderer, Manoa Hawaii; Jutta Gruber, Berlin
Die französische Philosophin und Mystikerin Simone Weil benennt bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts die wohl größte und entscheidende Herausforderung unserer Zeit, die Entwurzelung, als „die bei weitem gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft“ und die Verwurzelung als „das vielleicht wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.“
In unserem Workshop „TARA-Process: Die Kraft der Verbundenheit“ veranschaulichen wir durch Beispiele aus anderen Kulturen, die diesen Verlust nicht so stark erlitten haben, den Prozess jener Entfremdung, der uns auf unserem Weg durch den zivilisatorischen Prozess widerfährt und ermöglichen den TeilnehmerInnen die Erfahrung, wie wir mit Hilfe des TARA-Processes, einer geleiteten Heilmeditation, diese schmerzliche Traumatisierung heilen, unseren sicheren Ort finden, uns selbst wieder fühlen und uns über unsere eigenen Wurzeln nähren können.
Wir erklären die Herkunft des TARA-Processes aus dem alten Wissen des tibetischen Tantra und den modernen Erkenntnissen der Transpersonalen Psychologie und Neurobiologie und erläutern sein Grundprinzip: Die Erfahrung gefühlter Verbundenheit mit uns selbst und allem was uns umgibt als der Schritt, der den unterscheidenden Unterschied macht, indem er uns aus der Opfer/Täter-Dynamik der Dominanzkultur in eine neue, lebensfördernde Kultur der Partnerschaft mit uns selbst und anderen führt.
Methode: eine gute Mischung aus Theorie und Praxis, bestehend aus der Vermittlung interkultureller und philosophischer Grundannahmen zum Thema Körperwahrnehmung und neue Kultur der Verbundenheit, dyadischen Übungen und dem TARA-Process.
Zielgruppe: Menschen aller Berufsgruppen, insbesondere aus helfenden, heilenden, pädagogischen und kreativen Berufen, sowie alle an persönlicher Entwicklung und kreativen Prozessen Interessierte.
Literatur:
- unsere Artikel und Vorträge auf www.taraprocess.com
- Beatrix Pfleiderer: „Die Kraft der Verbundenheit. Plädoyer für ein heilsames, neues Körperbewusstsein.“ Drachenverlag 2009.
- Marshall B. Rosenberg: “Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens.” Junfermann 2007
Der TARA-Process: Eine Synthese aus östlicher und westlicher Weisheit, aus traditionellem und modernem Wissen, unabhängig von Religionen, Orten oder Zeiten.
Götz Biel, Malente
Psychotherapie wird flott gemacht! En vogue sind evidenzbasiere, störungsspezifische, standardisierte Kurzzeittherapieprogramme, die es erlauben, möglichst schnell und ökonomisch messbare und nützliche Ergebnisse zu produzieren. Es gibt KollegInnen, die andere psychotherapeutische Verfahren als „Körperverletzung“ oder „unterlassene Hilfeleistung“ bezeichnen. Wieviel Platz ist in diesem Industrialisierungsprozess für eigene Phantasien, Kreativität, Probehandeln und Tagträume? Wo befinden wir uns in diesem Prozess? Wollen wir mitmachen? Mit diesen und anderen Fragen wollen wir uns mittels Kurzvorträgen, Katathymer Imaginativer Psychotherapie (Selbsterfahrungsanteil), Kleingruppenarbeit und Diskussion nähern.
Lit.: Schmeling-Kludas, C. (2008): Ökonomisierung und Psychotherapie,
Psychotherapeut Nr. 53: 349-359, Springer Verlag
Strauß, B. (2006) Psychotherapie – Über den Warencharackter von Psychotherapie,
Psychotherapeut Nr. 51: 354-362, Springer-Verlag
Ulrich Bartmann, Würzburg
Wer regelmäßig läuft, spürt, dass es ihm/ihr durch diese sportliche körperliche Betätigung physisch und psychisch besser geht. Da es inzwischen wissenschaftlich belegt ist, dass Laufen und Joggen neben den körperlichen auch umfassende positive psychische Effekte hat, ist Lauftherapie in vielen therapeutischen Institutionen ein fester Bestandteil der Behandlung. Dargestellt werden die verschiedenen Störungsbilder, bei denen sich Laufen als therapeutisch erwiesen hat sowie die psychologischen Erklärungsmodelle. Außerdem werden die praktischen Anleitungen zum therapeutischen Laufen besprochen und exemplarisch geübt. Dieses Seminar richtet sich an alle Fachkräfte in Rehabilitation und psychosozialer Arbeit, die bereits mit bewegungstherapeutischen Verfahren für Gruppen oder Einzelne arbeiten oder beabsichtigen in der Zukunft Lauftherapie als verhaltensorientiertes, bewegungstherapeutisches Verfahren anzubieten – auch wenn sie zur Zeit (noch) nicht laufen.
Literatur:
Bartmann, Ulrich (2009). Laufen und Joggen für die Psyche. (5. erweiterte u.
ergänzte Auflage). dgvt-Verlag, Tübingen.
Bartmann, Ulrich (Hrsg., 2007). Fortschritte in Lauftherapie, Band 1.
dgvt-Verlag Tübingen
Bartmann, Ulrich (Hrsg., 2009). Fortschritte in Lauftherapie, Band 2.
dgvt-Verlag, Tübingen
Lothar Duda, Dortmund; Eugene Epstein, Oldenburg; Manfred Wiesener, Oldenburg
Auch hierzulande ist der „Besuch beim Therapeuten“ im Laufe der Zeit zu einer biographischen Selbstverständlichkeit geworden. Ob dies an Woody Allens Filmen liegt oder andere Gründe hat – wer weiß. Das Wort von der „Therapiegesellschaft“ macht die Runde. Die (Beziehungs-) Erfahrungen in der Therapie stehen Modell für das <Ich< von heute in all seinen Lebenslagen. Gleichzeitig steht die therapeutische Beziehung mehr denn je im Scheinwerferlicht fachlicher Erörterung. Vor diesem Hintergrund thematisiert der Workshop eigene und fremde Erwartungen an Rolle und Haltung von PsychotherapeutInnen. Über viele Jahrzehnte hinweg haben sich im Zuge der Professionalisierung starke Rollenstereotype für PsychotherapeutInnen etabliert. Nicht zuletzt die Welt des Films reflektiert dies in zahlreichen Werken. Die Erstarrung in Stereotypien liefert stets auch den Anlass, sie zu hinterfragen und mit neuen Formen zu experimentieren.
Anhand vielfältigen, packenden cineastischen Materials aus mehr als 50 Kino- und TV-Filmen, will der Workshop stereotype Rollenmuster zur Diskussion stellen und neue Rollenoptionen für PsychotherapeutInnen erarbeiten. Gerade die Kunstform des Films erleichtert erlebnisnah die Überwindung eingefahrener Muster und die Bewahrung geistiger Beweglichkeit.
Literatur:
Grawe, Klaus et al.: Psychotherapie im Wandel - von der Konfession zur Profession - 5. unveränd. Aufl. Hogrefe-Verlag, 2001.
Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt a.M., Fischer 1991. (Originalausgabe 1972, Paris, Gallimard).
Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater. München, Piper, 2003.
Eva Illouz: Die Errettung der modernen Seele - Therapien, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe. Frankfurt a.M. Suhrkamp,2009.