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Christof T. Eschenröder
Aus den Träumen der Menschen, wenn sie dieselben genau anzeigten, ließe sich vielleicht vieles auf ihren Charakter schließen. Es gehörte dazu aber nicht etwa einer, sondern eine ziemliche Menge.
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799)[3]
Der Umgang mit Träumen wurde in der Literatur zur Verhaltenstherapie bisher nur selten thematisiert. In diesem Artikel werden nach einem kurzen Überblick über tiefenpsychologische und gestalttherapeutische Konzepte zur Traumarbeit kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zum Umgang mit Träumen dargestellt. Argumente für und gegen die Beschäftigung mit Träumen im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden diskutiert. Weiterhin werden verschiedene Methoden der Interpretation von Träumen beschrieben und die Grundzüge des kognitiv-erlebnisorientierten Traummodells von Clara E. Hill dargestellt. Schließlich werden Verfahren zur Behandlung von Alpträumen geschildert und Forschungen zur Wirksamkeit der „imaginativen Übungsbehandlung“ referiert. |
Auch im Verlauf von Verhaltenstherapien kommt es immer wieder vor, dass Patientinnen oder Patienten über Träume berichten. Zumeist sind dies belastende Träume, manchmal auch neutrale oder positiv getönte Träume, die sie als emotional bedeutsam erleben und deren Bedeutung sie besser verstehen möchten. In der verhaltenstherapeutischen Ausbildung wird dieses Thema aber üblicherweise nicht behandelt und auch in Lehrbüchern der Verhaltenstherapie findet man keine Hinweise zum Umgang mit Träumen.
Dass es empirisch gut untersuchte Methoden zur Behandlung von Alpträumen gibt, ist wenig bekannt (vgl. Schredl, 1999, S. 117-121). Das wachsende Interesse an der Beschäftigung mit Träumen bei kognitiv orientierten Therapeuten zeigt das im Frühjahr 2002 erschienene Heft der Zeitschrift Journal of Cognitive Psychotherapy, das dem Thema „Cognitive Therapy and Dreams“ gewidmet ist (Rosner, Lyddon & Freeman, 2002).
Soweit mir bekannt ist, gibt es keine empirischen Arbeiten über den Stellenwert der Arbeit mit Träumen in der Verhaltenstherapie. Einige Hinweise in diese Richtung enthält die Untersuchung von Schredl, Bohusch, Kahl, Mader und Somesan (2000), in der PsychotherapeutInnen aus Mannheim und Heidelberg, die in eigener Praxis arbeiteten, einen Fragebogen zur Arbeit mit Träumen in der Therapie ausfüllten. Eine Gruppe von psychoanalytisch orientierten PsychotherapeutInnen (n = 40) wurde mit einer Gruppe von humanistisch und/oder kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgebildeten TherapeutInnen (n = 39; davon 19 mit verhaltenstherapeutischer Ausbildung) verglichen. Erwartungsgemäß arbeiteten PsychoanalytikerInnen sehr viel häufiger mit Träumen als TherapeutInnen mit einer anderen Ausbildung. Aber auch humanistische und kognitiv-behavioral orientierte TherapeutInnen arbeiteten in circa 15% der Therapiesitzungen mit Träumen; bei etwas mehr als einem Drittel der Fälle wurde irgendwann mit Träumen gearbeitet. Die Initiative zur Arbeit mit Träumen ging in etwa zwei Drittel der Fälle von den PatientInnen aus. Leider fand keine getrennte Auswertung der Daten für humanistische Therapien und Verhaltenstherapien statt. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass auch VerhaltenstherapeutInnen gelegentlich mit Träumen arbeiten.
In diesem Beitrag möchte ich diskutieren, welchen Stellenwert die Beschäftigung mit Träumen im Rahmen von Verhaltenstherapien haben könnte und wie dieses Thema in grundlegende theoretische Konzepte der Verhaltenstherapie eingeordnet werden kann.
Ich möchte in dieser Arbeit die folgenden Punkte behandeln:
Im Rahmen dieses Textes ist es nicht möglich, auf die grundlegenden methodischen Probleme und die wichtigsten Ergebnisse der psychologischen Traumforschung einzugehen. Einen guten Überblick zu diesen Themen findet man allerdings in dem Buch „Die nächtliche Traumwelt. Eine Einführung in die psychologische Traumforschung“ von Michael Schredl (1999).
Für die Theorie und die Praxis tiefenpsychologisch orientierter Therapieansätze spielt die Beschäftigung mit Träumen eine wichtige, manchmal sogar eine entscheidende Rolle. Sigmund Freud (1942, S. 613) betrachtete die Traumdeutung als „die Via regia zur Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben“. Seine Schrift „Die Traumdeutung“ beginnt mit den Worten:
Auf den folgenden Blättern werde ich den Nachweis erbringen, dass es eine psychologische Technik gibt, welche gestattet, Träume zu deuten, und dass bei Anwendung dieses Verfahrens jeder Traum sich als ein sinnvolles psychisches Gebilde herausstellt, welches an angebbarer Stelle in das seelische Treiben des Wachens einzureihen ist (Freud, 1942, S. 1).
Die psychologische Technik, die dabei helfen soll, Träume zu deuten, ist das freie Assoziieren zu einzelnen Traumelementen. Freud erläutert diese Methode anhand seiner eigenen Träume. Wer sich für diese Methode interessiert, dem empfehle ich die Lektüre des Traums von Irmas Injektion (ebd., S. 110-126; vgl. auch Mertens, 2000, S. 24-46). Es ist der erste Traum, den Freud ausführlich deutete.
Freud berichtet, er habe sich am Vortag über die Bemerkung eines Kollegen (Otto) geärgert, die sich auf den mäßigen Erfolg seiner psychoanalytischen Behandlung einer jungen Dame (Irma) bezog. Noch am selben Abend habe er die Krankengeschichte der Patientin niedergeschrieben, um sie zur Rechtfertigung einem Freund (Dr. M.) zu zeigen. In der folgenden Nacht hat er einen Traum, in dem Freud selbst, Irma, Otto und Dr. M. auftauchen. Ich möchte den Inhalt des Traums hier nur sehr verkürzt wiedergeben:
Irma beklagt sich bei Freud über Schmerzen. Diese Schmerzen haben offenbar eine körperliche Ursache. Dr. M. weist nach einer Untersuchung Irmas darauf hin, dass sie an einer Infektion leide, die darauf zurückzuführen sei, dass Otto ihr vor kurzem leichtfertig eine Injektion gegeben habe.
Durch die ausführliche Analyse des Traums kommt Freud zu dem Ergebnis, der Traum zeige, dass nicht er, sondern Otto an Irmas Leiden schuld sei. In dem Traum räche er sich an Otto, über dessen Bemerkung er sich geärgert hatte. Das Fazit Freuds lautet: „Nach vollendeter Deutungsarbeit lässt sich der Traum als eine Wunscherfüllung erkennen“ (Freud, 1942, S. 126).
Freud nimmt an, dass dem „manifesten Trauminhalt“ ein „latenter Traumgedanke“ zugrunde liegt. Dieser unbewusste latente Inhalt werde durch eine Zensurinstanz so stark entstellt, bis er für das Bewusstsein akzeptabel sei (ebd., S. 139-168). Diese Theorie der Traumentstellung durch eine Zensurinstanz ist sehr umstritten. Sie wird übrigens auch durch den Traum von Irmas Injektion nicht gestützt, denn der Wunsch,
sich zu rechtfertigen, war Freud bewusst und hatte ihn am Vorabend dazu bewegt, die Krankengeschichte der Patientin niederzuschreiben.
Unabhängig von der Korrektheit der Freud’schen Traumtheorie erscheint es möglich, durch die Assoziationen der Person zu ihrem Traum wichtige persönliche Bedeutungen und Zusammenhänge des Traums mit anderen Erlebnissen, Wünschen und Befürchtungen zu erfahren.
Bei seinen Patientinnen und Patienten interessierte sich Freud aber oft nicht besonders für deren Assoziationen zu ihren Träumen. Er hatte einer Patientin seine These mitgeteilt, dass Träume eine Wunscherfüllung darstellen. Diese These soll seiner Ansicht nach nicht nur für einige Träume gelten – was ja durchaus plausibel wäre –, sondern für alle Träume. Die Patientin berichtete ihm in der nächsten Sitzung
einen sehr unangenehmen Traum, nämlich dass sie mit ihrer Schwiegermutter, die sie gar nicht mochte, zu einem Landaufenthalt fahre. Anscheinend interessierte Freud sich nicht für die Assoziationen der Patientin zu ihrem Traum. Um seine Wunscherfüllungstheorie zu retten, deutete er ihn vielmehr folgendermaßen: „Nach diesem Traum hatte ich Unrecht; es war also ihr Wunsch, dass ich Unrecht haben sollte, und diesen zeigte ihr der Traum erfüllt“ (ebd., S. 157).
Während Freud in der ersten Auflage der „Traumdeutung“ (1900) die Bedeutsamkeit der Einfälle der Person zu den eigenen Träumen für deren Deutung betonte, fügte er in einer späteren Auflage ein Kapitel über symbolische Darstellungen im Traum hinzu
(Freud, 1942, S. 355-409). Nach Freuds Ansicht wimmelt es in den Träumen geradezu von Sexualsymbolen. Hier eine kleine Kostprobe:
Alle in die Länge reichenden Objekte, Stöcke, Baumstämme, Schirme (des der Erektion vergleichbaren Aufspannens wegen!), alle länglichen und scharfen Waffen: Messer, Dolche, Piken, wollen das männliche Glied vertreten. .... Dosen, Schachteln, Kästen, Schränke, Öfen entsprechen dem Frauenleib, aber auch Höhlen, Schiffe und alle Arten von Gefäßen. – Zimmer im Traume sind zumeist Frauenzimmer, die Schilderung ihrer verschiedenen Ein- und Ausgänge macht an dieser Auslegung gerade nicht irre. .... Der Traum, durch eine Flucht von Zimmern zu gehen, ist ein Bordell- oder Haremstraum. Er wird aber, wie H. Sachs an schönen Beispielen gezeigt hat, zur Darstellung der Ehe (Gegensatz) verwendet (ebd., S. 359).
Vielleicht zeigt schon dieses kurze Zitat, wie groß die Gefahr der Willkürlichkeit ist, wenn man sich an diesen Symboldeutungen orientiert und zusätzlich noch annimmt, dass ein Traumelement auch das Gegenteil des manifesten Inhaltes bedeuten könne. Ausführlichere kritische Darstellungen von Freuds Theorie der Traumdeutung findet man unter anderem bei Eschenröder (1986, S. 24-31 und S. 87-97), Eysenck (1985, S. 125-144), Selg (2002, S. 36-43) und Zimmer (1984, S. 159-191; 1986, S. 219-247).
Auch in dem Konzept von Carl Gustav Jung spielen Träume eine wichtige Rolle. Nach der Ansicht von Jung (1962, S. 162-170) enthalten Träume oft Inhalte des „kollektiven Unbewussten“. Auch wenn Träume manchmal schwer verständlich seien, habe das Unbewusste nicht die Absicht, die Person zu täuschen und den wahren Sinn des Traums hinter einer Fassade zu verstecken, wie dies Freud annahm. Unterschiedliche Auffassungen über die Natur des Traums führten nach Jungs Darstellung schon bald zu bedeutsamen Differenzen zwischen Freud und Jung (vgl. auch Eschenröder, 1984). Nach Jung können Träume auf der Objekt- oder der Subjektstufe interpretiert werden: Eine Deutung auf der Objektstufe betrachtet Traumbilder im Zusammenhang mit Personen oder Dingen aus der Umwelt der träumenden Person, Deutungen auf der Subjektstufe betrachten Traumbilder als Aspekte der Persönlichkeit des Träumers (vgl. Wehr, 1983, S. 110).
Nach der Auffassung von Alfred Adler (1965, S. 146-155) hat der Traum die Funktion, die Person auf zukünftige Situationen vorzubereiten. Daher könne ein Traum eine erwartete Situation als bereits gegeben darstellen oder alte Erlebnisse verwenden, um Emotionen zu verstärken und der Person Hinweise für ihr zukünftiges Verhalten zu geben. Dies geschehe immer im Einklang mit der Lebenslinie der Person. Die Traumdeutung habe daher das Ziel, „dem Kranken seine Vorbereitungen und sein nächtliches Training zu zeigen, die ihn meist als Arrangeur seines Leidens entlarven.“ (ebd., S. 146) Ganz im Gegensatz zu Freud interessiert sich Adler also nicht in erster Linie für die vergangenen Determinanten des Traums, sondern deutet ihn als ein in die Zukunft weisendes Phänomen (vgl. auch Titze, 1979, S. 298-313; Eschenröder, 1999, S. 55-57).
In einem Überblick über neuere theoretische Ansätze psychoanalytisch orientierter Traumforscher kommt Mertens (2000, S. 77-88) zu der Schlussfolgerung, die meisten Ergänzungen und Revisionen der Freud’schen Traumlehre betonten vor allem den problemlösenden Aspekt des nächtlichen Traumgeschehens. Das Träumen diene der Gedächtniskonsolidierung, indem aktuelle Informationen mit Erfahrungen aus dem Langzeitgedächtnis abgeglichen würden. So könnten Erfahrungen, die eine Person tagsüber macht, Konflikte und Erlebnisse aus der Vergangenheit wieder aktivieren. Die Behauptung, alle Träume stellten eine Wunscherfüllung dar und die extreme Betonung der Bedeutung von Sexualsymbolen in Träumen werden in diesen Ansätzen nicht mehr vertreten. Diese neueren Auffassungen über die Funktion von Träumen sind mit den Konzepten, die ich im Folgenden vorstellen werde, gut vereinbar.
Auch in der von Fritz Perls begründeten Gestalttherapie spielt die Arbeit mit Träumen eine entscheidende Rolle. Perls (1974, S. 74-78) geht davon aus, dass viele Teilaspekte der Persönlichkeit abgespalten oder verleugnet werden. Diese verschiedenen Bruchstücke der Persönlichkeit tauchten in den Träumen auf. Um sie wieder zu integrieren, fordert Perls die Person auf, sich in die Menschen, Tiere oder Gegenstände, die im Traum auftauchen, zu verwandeln und den Traum aus dieser Perspektive in der Ich-Form und im Präsenz zu schildern.
In der ersten ausführlichen Darstellung der Verhaltenstherapie in deutscher Sprache, dem Buch „Neurosen – Ursachen und Heilmethoden“, stellten Eysenck und Rachman (1968, S. 21) in einer Tabelle die zehn wichtigsten Unterschiede zusammen, die ihrer Ansicht nach zwischen Psychoanalyse und Verhaltenstherapie bestehen. Der achte Punkt beschäftigt sich mit der Relevanz von Deutungen. Für die Psychoanalyse gelte: „Die Deutung von Symptomen, Träumen, Handlungen usw. bildet ein wichtiges Element der Behandlung.“ Im Gegensatz dazu wird die Position der Verhaltenstherapie folgendermaßen beschrieben: „Die Deutung ist selbst dann irrelevant, wenn sie nicht völlig subjektiv und falsch ist.“
Sowohl in älteren Lehrbüchern der Verhaltenstherapie (Wolpe, 1972; Kanfer & Philipps, 1975) als auch in neueren Werken (Reinecker, 1999; Margraf, 2000; Linden & Hautzinger, 2000) findet man wie gesagt keine Hinweise zur Bedeutung von Träumen und zum Umgang mit Traumberichten. Albert Ellis, der als Psychoanalytiker arbeitete, bevor er seinen eigenen Therapieansatz entwickelte, äußert sich in seinem grundlegenden Werk „Die rational-emotive Therapie“ sehr skeptisch über den therapeutischen Wert der Arbeit mit Träumen:
In der rational-emotiven Psychotherapie werden freie Assoziation und Traumdeutung selten verwendet, nicht weil sie kein interessantes und ergiebiges Material über den Patienten zutage fördern, sondern weil der größte Teil dieses Materials nichts zu seiner Heilung beiträgt und der Aufwand an Zeit, Mühe und Geld in keinem Verhältnis zu den erzielten Resultaten steht (Ellis, 1977, S. 183).
Und auch in einem Aufsatz über „Interpretationen in der rational-emotiven Therapie“ vertritt Ellis (1979, S. 186-187) den Standpunkt, dass Träume in der Regel keine wichtigen Aspekte der Gedanken und Wünsche von Patienten enthalten, die nicht auch durch eine Untersuchung des realen Lebens und der Wachfantasien
zugänglich sind.
Aaron T. Beck, der das Konzept der „Kognitiven Therapie“ entwickelte, betont die Bedeutung von Träumen in der Therapie stärker als Ellis. Beck führte verschiedene Untersuchungen über die Träume von Depressiven durch. Dabei stellte er fest, dass im Vergleich zu nicht-depressiven Kontrollgruppen bestimmte Themen besonders häufig auftraten:
Der Träumende befand sich in der Rolle eines „Verlierers“; er wurde entweder eines konkreten Objekts beraubt oder erlitt einen Verlust an Selbstachtung oder eines Menschen, der ihm viel bedeutete. Andere in Träumen wiederkehrende Themen waren, dass der Träumende sich als untüchtig, abstoßend oder sonst wie unzulänglich erlebte oder an der Erreichung eines Ziels gehindert wurde. Diese Beobachtung wurde durch eine systematische Untersuchung bestätigt (Beck, 1979, S. 107).
Beck versuchte ursprünglich, durch seine Forschungen das psychoanalytische Konzept der gegen sich selbst gerichteten Feindseligkeit, die sich in einem „Bedürfnis zu leiden“ äußere, zu bestätigen. Da einige experimentelle Ergebnisse diesem Konzept aber widersprachen, suchte er nach alternativen Erklärungen. Er interpretierte die typischen Gedanken depressiver PatientInnen nun so, dass sie ein Ausdruck einer „negativen Konstruktion“ der eigenen Person und der Lebenserfahrungen sind, an denen die PatientInnen festhalten (Beck, Rush, Shaw & Emery, 1981, S. 5-7). Die Bedeutung der Erforschung von Träumen für die Entwicklung von Becks Theorie der Kognitiven Therapie wird in einem Artikel von Rosner (2002) ausführlich dargestellt.
Am ausführlichsten äußerte sich Beck in einem zuerst 1971 veröffentlichten und im Journal of Cognitive Psychotherapy nochmals abgedruckten Artikel zu dem kognitiven Modell der Träume (Beck, 2002). Die Grundprinzipien dieses Modells beschreiben Beck und Emery (1981) folgendermaßen:
Gemäß dem kognitiven Traummodell strukturieren bestimmte kognitive Muster den Inhalt der Wachphantasien und anderer Vorstellungsempfindungen im Wachzustand, ebenso wie den Inhalt von Träumen. Diese kognitiven Muster sind für jedes Individuum charakteristisch. Bei psychiatrischen Patienten sind sie idiosynkratische Konzeptualisierungen der eigenen Person und der Außenwelt. ....
Nach diesem Modell dramatisiert der pathogene Traum die Weise, auf die ein Individuum die Welt und die Zukunft sieht. Im Verlaufe des Wacherlebens werden bestimmte, für das Individuum kennzeichnende kognitive Muster aktiviert, die aber durch Reaktionen auf externe Stimuli verdeckt werden können. Werden im Schlaf die äußeren Reize abgeschnitten und ein bestimmter Erregungszustand erreicht, üben diese Muster (oder Schemata) einen maximalen Einfluss auf das Denken des Individuums aus und manifestieren sich in den Traumthemen (S. 74f.).
Beck (2002, S. 24) erwähnt, dass nicht jeder einzelne Traum etwas über die Konflikte, den Lebensstil oder die Persönlichkeit eines Menschen aussagt, da kognitive Schemata einen unterschiedlich starken Einfluss auf Träume ausüben können. Verschiedene Traumthemen (z.B. Verlust, Versagen, Bedrohung) treten aber offenbar bei Personen mit bestimmten Diagnosen überzufällig häufig auf (vgl. auch Schredl, 1999, S. 111-116).
Freeman und White (2002) beziehen sich auf Becks Traumtheorie und plädieren dafür, Träume ähnlich wie automatische Gedanken oder Tagträume aufzuzeichnen und zu bearbeiten. Der Inhalt der Träume wird im Zusammenhang mit dem Leben und den Gedanken der träumenden Person betrachtet; es wird untersucht, ob die gleichen kognitiven Schemata im Wachleben und in den Träumen aktiv sind. Ähnlich wie bei der kognitiven Umstrukturierung negative automatische Gedanken überprüft und durch realistische oder konstruktive Kognitionen ersetzt werden, regen Freeman und White eine Umstrukturierung belastender Traumszenen an. PatientInnen sollen lernen, sie durch Szenen zu ersetzen, bei denen sie sich besser durchsetzen oder gegen Gefahren wehren können. Die in dem Artikel geschilderten Fallbeispiele zeigen, wie nach diesem Ansatz parallel an der Veränderung der Träume und der Denk- und Verhaltensmuster in konkreten Problemsituationen gearbeitet wird.
Doweiko (2002) geht von der neurophysiologischen Theorie aus, dass Traumbilder durch die zufällige Aktivierung von Gehirnregionen während des REM-Schlafs entstehen. Wenn ein Mensch versucht, sich an seinen Traum zu erinnern und den Traumbildern einen Sinn zu geben, befindet er sich im Wachzustand. Wenn depressive Personen sich an einen Traum erinnern, sind die gleichen kognitiven Verzerrungen wirksam wie bei der Interpretation der äußeren Realität. Diese Verzerrungen können nach Doweiko in der kognitiven Verhaltenstherapie aufgedeckt
und korrigiert werden.
Dieses theoretische Konzept von Doweiko erscheint mir wenig überzeugend. In einer Reihe von Studien wurde gezeigt, dass viele Traumelemente sich auf Erlebnisse des Vortags bzw. der letzten Tage beziehen (vgl. Schredl, 1999, S. 87-102). Auch wenn im REM-Schlaf durch einen neurophysiologischen Prozess unzusammenhängende Erinnerungsbilder aktiviert werden, wird diese Zufallsstichprobe bei Depressiven mehr negative Erlebnisse enthalten als bei zufriedenen und ausgeglichenen Menschen. Daher glaube ich, dass belastende (und natürlich auch erfreuliche) Erlebnisse und Gefühle bereits im Traum selbst und nicht erst beim Berichten und Interpretieren des Traums im Wachzustand auftreten.
Gonçalves und Barbosa (2002) schildern ein kognitiv-narratives Konzept der Arbeit mit Träumen. Nach der Beschreibung des Traums werden die darin auftretenden Sinnesempfindungen, Emotionen und Kognitionen sowie deren Beziehungen zum Wachleben ausführlich exploriert. Anschließend werden mögliche Bedeutungen des Traums herausgearbeitet und die Formulierung alternativer Traumszenen gefördert. Eine ausführliche Darstellung des therapeutischen Ansatzes von Gonçalves – der im deutschsprachigen Raum wenig bekannt ist – findet man bei Scholz (2002, S. 287-311).
Auch das kognitiv-erlebnisorientierte Modell der Trauminterpretation von Clara E. Hill (Hill & Rochlen, 1999, 2002) unterscheidet zwischen verschiedenen Stadien, nämlich Exploration, Einsicht und Aktion. Im fünften Abschnitt dieses Aufsatzes werde ich das Konzept von Hill ausführlicher darstellen.
Interessanterweise plädiert auch Hans Jürgen Eysenck (1985, S. 141-144), der die Deutung von Träumen für therapeutisch völlig irrelevant hält, für ein theoretisches Konzept zum Verständnis der Träume, das mit dem kognitiven Modell des Traums in wesentlichen Punkten kompatibel ist. Eysenck schließt sich der Theorie von Calvin S. Hall (1953) an, die seiner Ansicht nach der Freud’schen Traumtheorie weit überlegen ist:
Die Hauptneuerung in Halls Theorie ist seine Auffassung des Symbolismus. Er glaubt, dass es in Träumen Symbole gibt und dass diese eine notwendige Funktion haben, nur handelt es sich dabei nicht, wie in Freuds Theorie, um die Funktion der Verkleidung; vielmehr dienen die Symbole dazu, etwas auszudrücken, und nicht, es zu verbergen. Träumen – so meint er – ist eine Form des Denkens, und das Denken besteht in der Formulierung von Begriffen oder Ideen bzw. Vorstellungen (conceptions or ideas). Während des Träumens werden diese nun in Bilder verwandelt, welche die konkreten Verkörperungen der Gedanken des Träumers sind; sie stellen einen sichtbaren Ausdruck des an sich Unsichtbaren dar, nämlich von Begriffen, Vorstellungen, Gedanken und dergleichen mehr (Eysenck, 1985, S. 142).
Auf bildhaft-symbolische Art können komplexe Gedanken im Traum sehr eindrucksvoll dargestellt werden. Eysenck (1985) fasst seine Grundgedanken über Träume folgendermaßen zusammen:
Unsere Psyche ist ständig aktiv, denkt über Probleme nach, versucht Lösungen zu finden, ist voll von Befürchtungen über dieses und jenes und beschäftigt sich ständig mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Träumen ist nun einfach die Fortsetzung des Denkens mit anderen Mitteln, soll sagen, mittels bildlicher Darstellungen und Symbolismen. Unsere Gedanken, unsere Sorgen, unsere Ängste, unsere Versuche, Probleme zu lösen, werden sämtlich in eine bildhafte Sprache übertragen und setzen die bewusste Denkarbeit während gewisser Schlafperioden fort. Träume können durchaus Wunscherfüllungen darstellen, doch sind diese für gewöhnlich ganz bewusste Wünsche – keine verdrängten infantilen Wünsche. Träume können zudem Ängste repräsentieren oder Problemlösungen oder sonst etwas, das auch im wachen Denken vorkommt (S. 143).
Es gibt einige Studien, in denen Alpträume mit kognitiv- verhaltenstherapeutischen Methoden behandelt wurden (vgl. z.B. Krakow, Kellner, Pathak & Lambert, 1995; Krakow, Hollifield et al., 2001; Schredl, 1998; 1999, S. 120-121). Diese Arbeiten werden im sechsten Abschnitt dieses Beitrages ausführlicher besprochen.
Es gibt eine Reihe guter Gründe, im Rahmen einer Verhaltenstherapie nicht auf Träume von PatientInnen einzugehen:
Andererseits gibt es auch wichtige Gründe für Verhaltenstherapeuten, auf Träume von Patienten einzugehen oder gezielt danach zu fragen:
Wenn PatientInnen über den Inhalt ihrer Träume beunruhigt sind, so erscheint es mir zunächst sinnvoll, einige allgemeine Informationen über Träume zu geben. Insbesondere weise ich darauf hin, dass Gefühle und Einstellungen (z.B. Abneigung oder Ärger über eine andere Person) im Traum oft in sehr stark dramatisierter Art dargestellt und ausgelebt werden, während solche Impulse im Wachleben kontrolliert werden können.
Im folgenden Abschnitt möchte ich zunächst verschiedene Möglichkeiten zur Exploration der Bedeutung von Träumen darstellen. Anschließend beschreibe ich das mehrere Stadien umfassende kognitiv-erlebnisorientierte Modell von Clara E. Hill zur Arbeit mit Träumen in der Psychotherapie.
Träume, die mit starken negativen Gefühlen verbunden sind und zum Aufwachen der träumenden Person aus dem REM-Schlaf führen, werden als Alpträume bezeichnet. Schredl (1999, S. 117) grenzt Alpträume gegen posttraumatische Wiederholungen und den Pavor nocturnus (nächtliches Aufschrecken aus dem Tiefschlaf) ab. Es gibt jedoch fließende Übergänge zwischen dem realistischen Wiedererleben traumatischer Ereignisse und mehr oder weniger veränderten oder symbolischen Darstellungen des gleichen Ereignisses im Traum, sodass ich im Folgenden nicht zwischen Alpträumen und posttraumatischen Wiederholungen unterscheide.
Wiederholte Alpträume sind für die betroffene Person belastend, da sie die Schlafqualität vermindern und sich oft auch negativ auf die Stimmung am folgenden Tag auswirken. Die Häufigkeit und die emotionale Intensität von Alpträumen können beeinflusst werden, indem sich die psychotherapeutische Behandlung auf die Probleme der Person im Wachleben konzentriert, von denen man annimmt, dass sie die belastenden Träume (mit)bedingen. Die Verminderung von Alpträumen und das häufigere Auftreten von Bewältigungsträumen, neutralen und positiven Träumen sind dann Kriterien für die Wirksamkeit der Therapie (vgl. Maultsby & Gram, 1974). Nach dem Ansatz von Freeman und White (2002) wird parallel an der Veränderung der belastenden Träume und der Überwindung der Lebensprobleme gearbeitet, die mit dem gleichen kognitiven Schema zusammenhängen.
Alpträume sind ein wichtiges Symptom posttraumatischer Belastungsstörungen. Die Behandlung mit Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) führt neben Veränderungen in anderen Bereichen auch zur Verminderung oder zum Verschwinden von Alpträumen (vgl. Eschenröder, 1997; Shapiro, 1998). Pellicer (1993) berichtete, dass die Alpträume eines zehnjährigen Mädchens nach einer einzigen EMDR-Sitzung verschwanden. In der Behandlung stellte sich das Kind die schlimmste Szene des Alptraums vor, während schnelle rhythmische Augenbewegungen induziert wurden. Normalerweise wird in EMDR-Sitzungen mit den Erinnerungen an belastende Ereignisse gearbeitet; Alptraumbilder können aber ebenfalls in die Therapie mit einbezogen werden (Eschenröder, 1997, S. 26).
Wiederkehrende Alpträume können jedoch auch direkt behandelt werden, indem PatientInnen sich den Traum erneut vorstellen, aber etwas an dem Inhalt verändern (vgl. Beck & Emery, 1981, S. 75-76). Wenn eine Person z.B. träumt, sie würde von einem hohen Gebäude herunterfallen, kann der Traum so verändert werden, dass sich ein mehrfarbiger Fallschirm öffnet und sie sicher nach unten schwebt.
Die Forschungsgruppe um Barry Krakow führte eine Reihe von empirischen Untersuchungen über die Wirkungen der „imaginativen Übungsbehandlung“ (Imagery Rehearsal Treatment) von Alpträumen durch. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeiten möchte ich im folgenden referieren.
Krakow et al. (1995) behandelten 39 Personen, die unter Alpträumen litten. Die TeilnehmerInnen dieser Studie schrieben in einer Gruppensitzung zunächst einen Alptraum auf und wurden dann dazu angeregt, diesen Traum zu verändern. Diese veränderte Version notierten sie wiederum und wiederholten die Vorstellung des „neuen Traums“ in der Sitzung. Weiterhin wurden sie ermutigt, andere Alpträume in der gleichen Art zu bearbeiten und täglich einmal einen „neuen Traum“ imaginativ durchzuspielen. Diese kurze Intervention führte bei einem Nachuntersuchung nach drei Monaten zu einer deutlichen Abnahme der Häufigkeit von Alpträumen und zu einer Verbesserung der Schlafqualität, während bei einer unbehandelten Kontrollgruppe (n = 19) keine signifikanten Veränderungen gefunden wurden.
Krakow, Sandoval et al. (2001) führten die imaginative Übungsbehandlung mit Mädchen im Alter von 13 bis 18 Jahren durch, die wegen krimineller Delikte eine Internatsschule besuchten. Fast alle Teilnehmerinnen der Studie litten unter den Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit oder Jugend. Die Behandlung verminderte die Häufigkeit von Alpträumen um 71% und die Häufigkeit von Nächten mit Alpträumen um 57%, während sich die Kontrollgruppe nicht veränderte. Bei Maßen für die Schlafqualität und für posttraumatische Belastungssymtome führte die Behandlung dagegen nicht zu bedeutsamen Besserungen.
In einer großen Untersuchung von Krakow, Hollifield et al. (2001) wurde die imaginative Übungsbehandlung in drei Gruppensitzungen weiblichen Opfern von sexueller Gewalt vermittelt, die unter Alpträumen, Schlafstörungen und anderen posttraumatischen Symptomen litten (Behandlungsgruppe: n = 88; Kontrollgruppe: n = 80). 114 der Teilnehmerinnen nahmen an den Follow-up-Untersuchungen nach drei und/oder sechs Monaten teil. Die Zahl der Alpträume und der Nächte ohne Alpträume wurde durch die Behandlung bedeutsam reduziert; auch die Schlafqualität verbesserte sich und die posttraumatischen Symptome nahmen ab.
In einer Nachuntersuchung zu der Studie von Neidhardt, Krakow, Kellner & Pathak (1992) zeigten Krakow, Kellner, Neidhardt, Pathak & Lambert (1993), dass bedeutsame positive Effekte der imaginativen Übungsbehandlung auch nach 30 Monaten noch vorhanden waren.
Da Alpträume besonders häufig bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren auftreten (vgl. Schredl & Pallmer, 1997; Schredl, 1998), ist es bedeutsam, dass die imaginative Übungsbehandlung in leicht modifizierter Form auch bei Kindern angewendet werden kann. Das Kind, das unter Alpträumen leidet, soll diesen Traum malen; dabei soll es auch sich selbst in dem Bild darstellen. Anschließend wird gefragt, was es einzeichnen kann, damit es weniger Angst hat. Dabei werden keine Vorgaben gemacht, um das Kind zum Entwickeln eigenständiger Lösungen anzuregen. Das folgende Fallbeispiel von Schredl (1998) zeigt das Vorgehen bei dieser Methode:
Der Junge F. (fünf Jahre alt) litt bei der Vorstellung seit über einem Monat an täglichen Alpträumen. Davor sind Alpträume nur vereinzelt aufgetreten. Häufige Themen sind Gespenster, Schatten und schreckliche Monster. Er ruft nachts nach der Mutter und liegt manchmal ein bis zwei Stunden wach und kann nicht wieder einschlafen. Nach Aussage der Mutter sind ihr keine auslösenden Faktoren für die Alpträume bekannt. F. ist eher etwas ängstlich, kommt jedoch gut im Kindergarten und mit seinen Freunden und seiner jüngeren Schwester zurecht. Somatische Krankheiten als auch psychopathologische Auffälligkeiten lagen nicht vor.
Nach der Aufnahme der anamnestischen Daten malte F. ein Bild mit zwei großen Gespenstern .... Er selbst steht auf einer Burg, in der der Alptraum spielte. Nach der Frage, was ihm helfen könnte, weniger Angst zu haben, malte er eine Spinne zwischen sich und die Gespenster, die ihn verteidigt. Mit der Mutter fertigte er zu Hause noch einige Zeichnungen an und beschäftigte sich unter Anleitung einmal am Tag mit einer dieser Zeichnungen. Nach Aussage der Mutter veränderten sich die Alpträume innerhalb der nächsten zwei Wochen stark. Obwohl die Themen der Träume sich kaum unterschieden, verlor sich der bedrohliche Charakter der Traumbilder. Der Schlaf normalisierte sich.
In der Nachbefragung ein Jahr später zeigte sich, dass F. circa einmal pro Monat einen Alptraum hat, der ihn nicht sonderlich belastet. Für einige dieser Träume hat er selbst Lösungen gefunden (z.B. die Anwendung eines Zaubersprays) und auch in den Träumen selbst zeigen sich Lösungsansätze, z.B. die Nutzung einer Landkarte, um nach Hause zu kommen. Inzwischen besteht er darauf, dass seine Träume zumindest ab und zu von der Mutter in das Traumbuch, das die Mutter in der Studienphase geführt hat, eingetragen werden (S. 1256).
Nach dem Konzept von Krakow sind Alpträume häufig eine Folge traumatischer Erlebnisse. Sie führen oft zu Ein- oder Durchschlafstörungen und zusätzlich zur Furcht vor dem Einschlafen; am nächsten Tag fühlt sich die Person häufig müde und verstimmt. Die Verminderung von Alpträumen durch imaginative Übungsbehandlung oder eine andere wirksame Therapiemethode durchbricht diesen Teufelskreis und verbessert die Schlafqualität; dies wiederum fördert ein besseres Befinden am nächsten Tag und erleichtert es dadurch PatientInnen, alltägliche Probleme zu bewältigen (Krakow, Hollifield et al., 2001, S. 542). Allerdings zeigt die Studie von Krakow, Sandoval et al. (2001) mit delinquenten Mädchen, dass die direkte Behandlung von Alpträumen nicht immer ausreicht, um bedeutsame Besserungen in mehreren Bereichen zu erzielen.
Wenn aus der Problemanalyse deutlich wird, dass ungelöste Konflikte oder unbewältigte Traumata für das Auftreten der Alpträume verantwortlich sind, so erscheint es sinnvoll, sich nicht auf die direkte Behandlung der Alpträume zu beschränken, sondern auch an diesen Problemen therapeutisch anzusetzen.
Die Beschäftigung mit Träumen ist für die Verhaltenstherapie sicherlich keine Via regia, noch nicht einmal eine Hauptstraße, aber vielleicht doch eine reizvolle, bisher wenig befahrene Nebenstrecke auf dem Weg zum Erkennen und Lösen von Problemen und zur Aktivierung von Ressourcen. Die Exploration der Bedeutung von Träumen kann gut in ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Modell des menschlichen Verhaltens und Erlebens eingeordnet werden (vgl. Beck & Emery, 1981; Freeman & White, 2002).
Es gibt keine spezifisch verhaltenstherapeutische Methode zur Interpretation von Träumen. Verfahren, die aus anderen therapeutischen Traditionen stammen – wie z.B. die Anregung zum freien Assoziieren oder zur Darstellung verschiedener Traumelemente im gestalttherapeutischen Rollenspiel – können auch im Rahmen einer Verhaltenstherapie verwendet werden. Das Modell der Traumdeutung von Hill (Hill & Rochlen, 1999, 2002), das in einigen empirischen Untersuchungen überprüft wurde, ist gut mit einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Vorgehen vereinbar.
Ich gehe nicht davon aus, dass Träume feststehende Bedeutungen haben, die im Verlauf des Interpretationsprozesses enthüllt (oder aber nicht richtig erkannt) werden. Vielmehr erscheint mir die Grundannahme sinnvoll, dass im therapeutischen Gespräch mögliche Bedeutungen konstruiert werden, die der Person, die den Traum erlebte, im Falle einer gelungenen Interpretation einleuchtend erscheinen und ihr vielleicht sogar neue Einsichten über sich selbst und ihre Lebenssituation vermitteln.
Die größte therapeutische Relevanz hat die Beschäftigung mit Träumen, wenn PatientInnen unter Alpträumen leiden. Kontrollierte Untersuchungen und Einzelfallstudien zeigen, dass es wirksame kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden zur Behandlung von Alpträumen gibt (vgl. Krakow et al., 1995; Krakow, Hollifield et al., 2001; Krakow, Sandoval et al., 2001; Schredl, 1998).
Wie ausgeführt wurde, spielte die Beschäftigung mit Träumen in der Verhaltenstherapie bisher nur eine geringe Rolle. Ich würde mich freuen, wenn dieser
Aufsatz zu einer Diskussion über den Umgang mit Träumen in der Theorie und der Praxis der Verhaltenstherapie anregt.
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[1] Für wichtige Anregungen zu diesem Artikel, Literaturhinweise und Hilfe bei der Beschaffung von Literatur möchte ich mich bei Heike Born, Clara E. Hill, Angelika Röhrs-Boy, Michael Schredl, Wolf-Ulrich Scholz und den Mitgliedern des Fachteams, mit denen ich diese Arbeit diskutiert habe, bedanken.
[2] Dieser Artikel wurde veröffentlicht in Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis, 35. Jg. (1), 73-85, 2003
[3] Zitiert nach Zimmer (1984, S. 12).
[4] Die Interpretationen im vierten Abschnitt dieses Artikels bewegen sich auf dieser Ebene.
[5] Bei dem oben dargestellten Traum von Frau P. hätte der Therapeut sie z.B. dazu anregen können, den Traum aus der Perspektive des Kindes, das im Park abgesetzt und von den Eltern verlassen wird, zu beschreiben. Möglicherweise wären dabei Situationen aus der Kindheit oder der jüngeren Vergangenheit aufgetaucht, in denen sie sich hilflos und verlassen fühlte.
Die Lernerfolgskontrolle finden Sie
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